Leben auf der Burg
Es war keineswegs unüblich, dass Gäste auf Adelsburgen auch in erotischer Hinsicht „betreut“ wurden. Nicht selten geleitete die Burgherrin den Gast zu Bett. Um eine hohe Ehrerbietung zu zeigen, wurde dem Gast vom Ritter die eigene Ehefrau angeboten. Eine Wertschätzung, die er keinesfalls ablehnen durfte. Mindestens wurden einem Gast ein oder bei Bedarf auch mehrere Mägde angeboten.
Die Besuche auf einer Burg waren sehr oft mit einem Bade verbunden. Mägde oder Knechte richteten ein Zuber mit warmem Wasser her. Der Gast wurde dann in diese Badestube geführt und gewaschen. Dabei waren die Mägde in der Regel ebenfalls nackt. In einigen Fällen begleitete auch die Burgherrin den Gast, wie weit auch immer.


Oft wurde das gemeinsame baden mit Speis und Trank verbunden und wer es sich leisten konnte, auch mit Musik.

Eine Badeszene aus dem Hausbuch des Grafen zu Wolfegg aus dem Jahr 1480
Im Gegensatz zur sexuellen Freizügigkeit steht eine ganz andere Erfindung, der Keuschheitsgürtel. Der Herr des Hauses der Treue seiner Gattin versichern, wenn er längere Zeit abwesend ist, z.B. bei der Teilnahme an einem Kreuzzug. Deshalb wird die Erfindung dieses unwürdigen Instruments auch der Zeit der ersten Kreuzzüge zugeschrieben. Der Keuschheitsgürtel ist eine etwa handbreite Metallkonstruktion, die zwischen den Schenkeln positioniert, sexuelle Handlungen verhindert. Kleine Öffnungen sorgen dafür, dass die notwendigen Verrichtungen erledigt werden können. Dieses grausame Instrument ist nicht nur in hohem Maße unwürdig, sondern auch unhygienisch. Die Damenwelt dürfte begeistert gewesen sein, auch wenn die höherwertigen Exemplare verziert oder mit Stoff ausgelegt waren. Ob er wirklich zum Einsatz gekommen ist, wird von einigen Historikern angezweifelt, aber die zahlreichen erhalten gebliebenen Exemplare sprechen eher dafür. Der Gürtel war nicht nur in Adelskreisen beliebt, auch begüterte Stadtbürger, z.B. Handelsherren wendeten ihn an.

